please select language

Diehl Metall Messing: Neuigkeiten aus dem „Forum GMS“

04.08.2015
Diehl Metall, Diehl Metall Messing

„Forum GMS“: Diskussion über UBA-Hygieneliste als „Bewertungsgrundlage“ und Werkstoff-Alternativen für die Trinkwasserinstallation.

Bildquelle: Bruno Lukas, Press’n’Relations GmbH

Seit dem 10. April 2015 gilt die Positivliste des Umweltbundesamtes (UBA) zum Einsatz „hygienisch geeigneter metallener Werkstoffe“ für die Trinkwasserinstallation in ihrer neuen Fassung als sogenannte „Bewertungsgrundlage“. Wie weitreichend vor allem die rechtlichen Folgen dieser neuen Version sind, wurde auf dem „Forum GMS“ deutlich. Das jährliche Trinkwasserhygiene- Fachforum der Gütegemeinschaft Messing-Sanitär e.V. (GMS) fand am 18. Juni 2015 im Mainzer Hilton Hotel statt. In Anwesenheit von gut 70 Fachbesuchern erläuterten mehrere Referenten die praktische Bedeutung dieser lang erwarteten Neufassung der UBA-Positivliste – mit weit reichenden Folgen für den Einsatz von Sanitärwerkstoffen für die Trinkwasser-Installation. Der auf Baurecht spezialisierte Fachanwalt Prof. Dr. Jörg Zeller erinnerte daran, dass die UBA-Liste genau zwei Jahre nach Inkrafttreten als Bewertungsgrundlage rechtlich bindend sein werde. Er stellte klar, dass nicht nur Handwerker, sondern alle Akteure der „vertraglichen Handlungskette“ mit haftungsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen hätten, wenn nach dieser zweijährigen Übergangsfrist Werkstoffe eingesetzt würden, die nicht auf der UBA-Liste stehen. Der Rechtsanwalt betonte, dass dabei der Zeitpunkt der Abnahme des Bauvorhabens entscheidend sei. Thorsten Rabe vom Fachverband SHK Mecklenburg-Vorpommern appellierte an die anwesenden Hersteller, ihre Werkstoffe und Bauteile hinsichtlich ihrer Eignung mit einer „verlässlichen, unverwechselbaren Kennzeichnung“ zu versehen. Michael Scharf von der Wieland-Werke AG ging auf die aktuellen Normungsverfahren für Sanitärwerkstoffe ein und Geert van den Abbeele von der Sanha GmbH & Co. KG gab die neuesten Ergebnisse der Langzeit-Korrosionstests der GMS e.V. bekannt. Unter dem Motto „Design und Kundenansprüche im Wandel der Zeit“ gab Kai Huck von der Aquis Sanitär AG einen Einblick in die Entwicklung moderner Sanitärarmaturen mit elektronischen Komponenten. Abgerundet wurde die Vortragsreihe durch das Referat des Extremsportlers Joey Kelly. Er berichtete von seinen Triathlon-Wettkämpfen sowie seiner Südpol-Expedition und wusste von sportlichen zu unternehmerischen Herausforderungen die Brücke zu schlagen.

Eröffnet wurde das diesjährige Trinkwasser-Forum vom GMS-Vorstandsvorsitzenden Alexander Dehnelt. Dieser unterstrich mit der Ankündigung des Baurecht-Fachanwalts Prof. Zeller die besondere Bedeutung des UBA-Dokuments in der aktuellen Fassung: „Wir wollen als erstes die Auswirkungen der UBA-Liste für Hersteller und Anwender aus Sicht eines Juristen beleuchten.“

Dass dieses Reflektieren über die rechtlichen Konsequenzen absolut angebracht ist, wurde beim Vortrag des Koblenzer Rechtsanwalts Prof. Dr. Jörg Zeller rasch deutlich. Dieser stellte heraus, dass nach Ablauf der zweijährigen Übergangsfrist, die mit der neuen Version der UBA-Liste am 10.4.2015 begonnen hat, jeder Auftraggeber erwarten könne, dass das in einer Trinkwasserinstallation eingebaute Material gemäß Trinkwasser-Verordnung (TwVo) geeignet ist. Maßgeblich sei dabei der „Zeitpunkt der Abnahme eines Bauvorhabens“. Er empfahl den Herstellern von Sanitärbauteilen dringend, das Handwerk über die Eignung bzw. Nichteignung ihrer Werkstoffe im Sinne einer „Hinweispflicht“ zu informieren. Mit Hinweis auf die rechtliche Bindung der UBA-Liste ab dem 10.4.2017 empfahl der Rechtsanwalt betroffenen Handwerkern, ihre Auftraggeber zu informieren, dass nicht gelistete Werkstoffe nicht mehr eingebaut werden dürften. Hierbei sei die übliche Vorgehensweise des „Anmelden von Bedenken“ beim Bauherren nicht ausreichend, denn der Einbau von „nicht geeigneten“ Werkstoffen sei schlicht nicht mehr zulässig. Dem Handwerker drohten bei Zuwiderhandlung Strafzahlungen von bis zu 25.000 Euro aufgrund dieser Ordnungswidrigkeit. Doch auch Hersteller und Händler als Teile der „vertraglichen Handlungskette“ seien aufgrund der „mittelbaren Betroffenheit“ prinzipiell haftbar – und zwar über Schadensersatzforderungen des Auftraggebers. Dieser könne sich darauf berufen, dass mit dem Einbau nicht UBA-gelisteter Werkstoffe ein „mangelhaftes“ Werk abgeliefert würde. Hierbei sei in der Übergangszeit bis zum 10.4.2017 zu unterscheiden vom „in Verkehr bringen“ von Werkstoffen und der „Verwendung“ von Werkstoffen – beim Einbau sei letzteres relevant. Bei nachgewiesenen gesundheitlichen Gefährdungen durch nicht zugelassene Werkstoffe seien sogar strafrechtliche Konsequenzen nicht auszuschließen.
Thorsten Rabe vom Fachverband SHK Mecklenburg-Vorpommern unterstrich wie sein Vorredner den maßgeblichen Zeitpunkt der Übergabe eines Bauvorhabens. Er ging aber als Vertreter der Handwerkerschaft noch einen Schritt weiter: Die betroffenen SHK-Handwerker müssten nicht nur bis zum Abnahmezeitpunkt denken, sondern zum Beispiel an eine eventuell anstehende Desinfektion der Installation fünf Jahre nach Übergabe.

Rabe wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Handwerk fünf Jahre Gewährleistung auf die Installation geben müsste, von der Industrie auf bestimmte Bauteile jedoch teilweise nur zwei Jahre Gewährleistung erhalte. Hier sei auch das Aushändigen von Zertifikaten relevant. „Wir können das nur gemeinsam schaffen – Hersteller, Planer und Installateure“, gab Rabe zu bedenken. Messing sei ein gewichtiger Werkstoff in der Sanitärinstallation – hinsichtlich der UBA-konformen hygienischen Eignung „erwarten wir aber eine verlässliche, unverwechselbare Kennzeichnung. Denn am Ende steht und fällt der Handwerker mit der Abnahme und der Qualität“, so der SHK-Verbandsvertreter. Entscheidend sei in der Praxis die Funktionalität der Installation. Werde der Grenzwert laut TwVo überschritten, sei aus juristischer Sicht diese Funktionalität nicht mehr gegeben, erläuterte Rabe und verwies auf aktuell laufende Prozesse. Der SHK-Vertreter machte sich stark für eine bessere Information der Handwerkerschaft. „Wir müssen beim Handwerk Vertrauen aufbauen und wir erwarten Rechtssicherheit“.

Kai Huck von der Aquis Sanitär AG (Rebstein, CH) gab den Forumsteilnehmern einen Einblick in die Entwicklung des Designs von Sanitärarmaturen und thematisierte die sich verändernden Kundenansprüche im Laufe der Zeit. Messing sei immer schon der Werkstoff der Wahl in der Sanitärinstallation gewesen – beispielsweise bei Rohrverbindern, Ventilkörpern, Wasserführungen und Schlauchanschlüssen. Doch durch den Kostendruck, Aspekte der Herstellbarkeit, immer komplexere Geometrien und nicht zuletzt die Frage der Eigung in Bezug auf die verschärfte Trinkwasser-Gesetzgebung würden zunehmend auch alternative Werkstoffe nachgefragt. So würden vermehrt auch Werkstoffe wie Edelstahl, Kunststoff, Zinkdruckguss und Aluguss eingesetzt. Als Beispiel führte der Experte von Aquis eine vollelektronische Küchenarmatur mit Sensorik an, bei der nur noch das Auslaufrohr und die Schlauchanschlüsse aus Messing bestehen. Messing werde weiterhin „dort eingesetzt, wo es wichtig und gut ist“, nur eben selektiver als in der Vergangenheit.

Der Werkstoff-Experte Michael Scharf von der Ulmer Wieland-Werke AG gab den Forumsteilnehmern einen Überblick über laufende Normierungsverfahren im Bereich der Sanitär-Werkstoffe in Deutschland und Europa. Maßgeblich sei insbesondere die Norm CEN TC 133 auf dem Gebiet der Rohformen, des Halbzeugs und der Gussstücke aus Kupfer und Kupferlegierungen und die CEN TC 156 zur Korrosion von Metallen und Legierungen. Hier werde derzeit laut Michael Scharf die Entzinkungstest-Normung überarbeitet. Aktuell würden insbesondere die rechtlichen Änderungen der Trinkwasser-Gesetzgebung in den entsprechenden Normen berücksichtigt, u.a. auch in der DIN EN 12163 „Anwendung von Stangenmaterial“ in Bezug auf den Aspekt „Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser“. In der DIN EN 12861, der sogenannten „Schrottnorm“ würde unter anderem aktuell geregelt, wann Schrott als Abfall und wann als Produkt gilt. Des Weiteren würden die Begriffsdefinitionen an die EU-Regelwerke angepasst. Fazit des Experten von der Wieland-Werke AG: Für Trinkwasseranwendungen blieben die Werkstoffnummern erhalten, würden jedoch um das wichtige Kürzel „DW“ für „Drinking Water“ ergänzt.

Zum Abschluss der fachlichen Vortragsreihe stellte Geert van den Abbeele von der Sanha GmbH & Co. KG die aktuellen Ergebnisse der Langzeit-Korrisionstests im Auftrag der GMS e.V. vor. Er berichtete über die Testreihen für die drei Sanitärwerkstoffe CW 511 L, CW 626 N und CW 725 R als mögliche Nachfolge-Werkstoffe für CW 602 N, das nicht mehr verwendet werden darf. Dabei werden die Materialien von unabhängigen Institut IKS Dresden im Wasserwerk Dessau Ost auf ihre Entzinkungsbeständigkeit hin geprüft – in einem besonders aggressiven, entzinkungsfördernden Trinkwasser. Die aktuell ausgewerteten Ergebnisse des 104-Wochen-Tests zeigen laut Geerd van den Abbeele im Vergleich zu den 52-Wochen-Tests, dass nur noch der Werkstoff CW 725R den Vorgaben der GMS entspricht. Die anderen beiden Werkstoffe seien deshalb als Konsequenz von der GMS-Werkstoffliste entfernt worden. Der Sanha-Vertreter kündigte für den Zeitraum 2015 bis 2017 weitergehende Untersuchungen mit CW 725 R im Vergleich mit CW 511 N und CW 602 N an, um mehr über die Eigenschaften des favorisierten Werkstoffes zu erfahren.

Diehl Metall, als Teilkonzern der 1902 gegründeten Diehl Gruppe (Umsatz: 2.905,0 Mio. Euro, Mitarbeiter: 14.520), hat sich in den letzten Jahrzehnten eine hervorragende Stellung auf den globalen Märkten erarbeitet. Der internationale Technologie-Hersteller hat seinen Hauptsitz in Röthenbach a d Pegnitz bei Nürnberg. Diehl Metall ist derzeit an 15 Standorten in Europa, Asien, Südamerika und den USA vertreten.

Diehl Metall Messing liefert Stangen, Rohre und Profile aus über 60 verschiedenen Legierungen an weltweit angesiedelte Kunden aus der Heizungs- und Sanitärindustrie, der Automobil- und Maschinenbauindustrie und der Elektronik.
Diehl Metall Schmiedetechnik produziert Gesenkschmiedeteile und ist als erfolgreicher Partner der Automobilindustrie Marktführer im Bereich Synchronringe. Das Produktportfolio umfasst Messing- als auch Stahl-Synchronringe, die optional mit innovativen Reibschichten erhältlich sind.
Die Diehl Metal Applications (DMA) sieht die kundenspezifische Entwicklung, Produktion und Vermarktung von hochtechnischen Produkten über die gesamte Wertschöpfungskette, vor: Angefangen bei Bändern und Drähten aus Kupferlegierungen, hochkomplexen Stanzprodukten inklusive Schempp+Decker Einpresszonen, hochselektive Oberflächenveredelungen sowie Beschichtungen von 3D-Teilen bis hin zu Metall-Kunststoff Verbundsystemen. 

Funktionen

Kontakt

Diehl Stiftung & Co. KG © 2017