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Die Streitkräfte stehen vor neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen. Multinational geführte Einsätze, asymmetrische Konflikte, aber auch das Gefahrenpotenzial terroristischer Angriffe bedrohen die äußere und innere Sicherheit und stellen neue Anforderungen an Ausrüstung, Technik und Logistik der Einsatzkräfte.

Laser soll Transportflugzeuge der Bundeswehr schützen
  • Diehl Defence entwickelt ein laser-basiertes DIRCM(Directed Infrared Counter Measure)-System zum Schutz der neuen Militärtransporter A400M der Bundeswehr vor Raketenangriffen. Das innovative Schutzsystem verwendet Hightech-Sensoren des Herstellers Elbit Systems, um Suchkopf-gesteuerte Lenkflugkörper abwehren zu können. Solche Flugkörper, eingesetzt von tragbaren Luftabwehrsystemen, stellen besonders bei Start und Landung eine große Gefahr dar.Diehl Defence integriert drei der bereits im Einsatz bewährten J-MUSIC (Multi-Spectral Infrared Countermeasure) - Lasergeräte von Elbit zu einem erweiterten Gesamtsystem, um einen kompletten 360°-Rundumschutz für das Flugzeug zu gewährleisten. Das neue DIRCM-System arbeitet in Verbindung mit dem bord-eigenen Flugkörperwarner und fokussiert den hochdynamisch und präzise geführten Laserstrahl direkt auf den Infrarot-Suchkopf des angreifenden Objekts. Das DIRCM-System von Diehl wirkt in sicherer Entfernung vom Flugzeug auch gegen moderne Lenkflugkörper. Es bietet einen deutlich besseren Schutz als die heute eingesetzten IR(Infrarot)-Scheinziele, deren Wärmestrahlung Flugkörper vom Ziel ablenken sollen.Das Gesamtsystem konnte bereits auf dem Testgelände von Diehl erfolgreich in Betrieb genommen werden. Es wurde im Rahmen einer so genannten Risikominimierungsstudie in kürzester Zeit aufgebaut und ermöglichte den Nachweis der wesentlichen Funktionen.Von dem kurzfristig zu realisierenden DIRCM-Selbstschutz könnten nicht nur taktische Transportflugzeuge, sondern auch andere Flugzeugmuster wie der A330-Multi-Role-Tanker oder der P3-ORION-Seeaufklärer profitieren. Die enge Zusammenarbeit von Diehl und Elbit erstreckt sich auch auf die Entwicklung von leichten Laser-Schutzsystemen für den Einsatz in Hubschraubern. Sie ist ein weiteres Beispiel für erfolgreiche, grenzüberschreitende Industrie-Kooperation zum Schutz unserer Soldaten. 

    Spike-Flugkörper-Familienkonzept
    •  „Im Spannungsfeld begrenzter Budgets und technischer Spitzenleistungen“

      Militärische Beschaffer und Streitkräfte müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Anforderungen und Erwartungen bezüglich einer aufgabenorientierten Ausrüstung im vereinbarten Zeit- und Kostenrahmen von wehrtechnischen Unternehmen erfüllt werden. Allein schon die Fürsorgepflicht gegenüber den Soldaten verlangt es, der Truppe für ihre gefährlichen Missionen die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung zu stellen.

      Das Verteidigungsgeschäft vollzieht sich im Spannungsfeld begrenzter Beschaffungsbudgets, kleiner Programmstückzahlen, fragmentierter Verteidigungsmärkte und hoher Anforderungen an die technische Leistungsfähigkeit militärischer Ausrüstung. In diesem herausfordernden Umfeld verfolgt Diehl Defence neben eigenen Entwicklungen die Erweiterung des Produktportfolios durch Kooperation mit internationalen Partnern.

      Als präzise Abstandswaffe sind Lenkflugkörper mit ihrer Datenlink-Fähigkeit für die Streitkräfte unverzichtbar. Im Heer finden sie Anwendungen in der Infanterie, bei Spezialkräften sowie bei der Artillerie. Flugkörper-Entwicklungen in Europa vollziehen sich meist in internationalen Kooperationen (Beispiel IRIS-T). Eine andere Art der Beschaffung bietet die EuroSpike GmbH, ein Joint Venture mit den Gesellschaftern Diehl Defence, Rafael und Rheinmetall. Die Programmfirma vermarktet die israelische Spike-Lenkflugkörper-Familie im europäischen Raum und stellt im Rahmen einer Workshare-Vereinbarung sicher, dass große Produktionsanteile in Deutschland realisiert werden. Ein weiteres Ziel ist die gemeinsame Weiterentwicklung der Produktlinie.

      Spike-Flugkörper-Familienkonzept: Mehrwert für den Nutzer

      Die Flugkörper-Familie besteht heute aus der Spike SR (Short Range), der Spike MR (Medium-Range), der Spike LR (Long Range), der Spike ER (Enhanced Range) und der Spike NLOS (Non-Line-of-Sight) im Reichweitenband von 2 bis 30 km. Unter beschaffungspolitischen Gesichtspunkten bietet die Spike-Familie mehrere Vorteile:

      Zum einen spart der Beschaffer durch Nutzung fertiger, qualifizierter Produkte erhebliche Kosten bei der Flugkörperentwicklung und -erprobung.

      Ebenso reduzieren sich Herstell- und Materialkosten mit der querschnittlichen Verwendung gleicher Technologien und Komponenten. Dazu zählen u.a. die Sensorik, elektronische und mechanische Baugruppen, aber auch der Gefechtskopf, der Startbehälter sowie der faseroptische- oder RF-Datenlink. Der Beschaffer kann auf kostenträchtige Neuentwicklungen verzichten und sichert sich günstigere Einkaufsbedingungen.

      Ferner ergeben sich Vorteile bei Schulung und Training der Soldaten durch ein standardisiertes Bedien-Konzept, das die Einweisung auf unterschiedliche Geräte erleichtert.

      Weiterhin reduzieren das Wissen und die Erfahrungen aus der Qualifikation der ersten Spike-Flugkörper den Aufwand bei der Qualifikation und Zulassung der Folgetypen.

      Darüber hinaus ermöglicht die gleiche konzeptionelle Auslegung der Spike-Flugkörper-Familie den Einsatz eines sogenannten Universal-Werfers („Generic Launcher“). Der Werfer kann eine Mischbeladung der Flugkörper-Typen Spike LR, Spike ER und Spike NLOS im Reichweitenband von vier, acht bis 30 km aufnehmen. Für Luft-Boden-Einsätze eröffnet der „Generic Launcher“ dem Hubschrauber-Piloten die Option, je nach Missionsszenario und Zielbeschaffenheit den am besten geeigneten Flugkörper auszuwählen.

      Schließlich fördert die weite Verbreitung von Spike-Lenkflugkörpern in Europa die Waffenstandardisierung unter den NATO-Partnern und erleichtert damit die gegenseitige logistische Unterstützung im Einsatz. Einsparpotenziale entstehen dadurch vor allem in der Ersatzteilversorgung, Materialerhaltung und in der Wartung. 

      Die erfolgreiche deutsch-israelische Zusammenarbeit eröffnet der Bundeswehr Zugang zu verfügbaren, einsatzerprobten Produkten, für deren Entwicklung ansonsten erhebliche eigene Finanzmittel aufgebracht werden müssten. Die Spike-Flugkörpertypen LR, SR (Short-Range) und NLOS (Non-Line-Of-Sight) seien hier nur exemplarisch aufgeführt.

      Spike LR: Standardbewaffnung in europäischen Streitkräften

      Der mehrrollenfähige, leichte Lenkflugkörper Spike LR ist seit 2009 in Deutschland eingeführt und bei vielen europäischen Streitkräften im Einsatz oder in der Beschaffung. Er dient als Ausrüstung für gepanzerte Fahrzeuge, Infanterie und Spezialkräfte und ist darüber hinaus als Bewaffnung für den Schützenpanzer PUMA vorgesehen. Spike LR erlaubt die zielgenaue Bekämpfung gepanzerter und ungepanzerter Fahrzeuge, aber auch von Hubschraubern, Bunker-, Mörser- und Artilleriestellungen auf Entfernungen von 4.000 m.

      Die faseroptische Datenverbindung eröffnet dem Schützen die Möglichkeit, während der gesamten Mission Flugbahnkorrekturen und Zielwechsel vorzunehmen sowie notfalls die Mission abzubrechen. Optimalen Schutz genießt der Soldat bzw. das Gefechtsfahrzeug, weil sich SPIKE LR aus verdeckten Stellungen und umschlossenen Räumen einsetzen lässt.

      Die Arbeitsanteile von Diehl am Spike LR-Programm umfassen die „Intelligenz“ des Flugkörpers. Sie schließen den bildverarbeitenden Suchkopf ebenso ein wie das Lenk-und Steuerteil, die Energieversorgung, den Startbehälter und die Endintegration.

      Spike SR: Flexibilität für den infanteristischen Einsatz

      Nach unten abgerundet wird die Produkt-Familie durch den Fire & Forget-Flugkörper Spike SR von Rafael. Dieser Flugkörper für infanteristische Einsätze erfüllt mit variablen Reichweiten von 50 bis 2.000 m die Anforderungen der Bundeswehr bezüglich der Funktionalen Fähigkeitsforderung „Leichtes Wirkmittel 1.800 m plus“. Moderne Technologien im Hinblick auf Sensorik, Antrieb, Steuerung, Regelung und Bedienung finden in SPIKE SR ihre Anwendung. Die schulter-verschossene Waffe ist innerhalb von sechs Sekunden einsatzbereit und nicht schwerer als zehn kg.

      Beim einem Spike SR-Demonstrationsschießen Ende 2015 in der Negev-Wüste konnten sich Vertreter deutscher Amtsstellen und Kommandobehörden von der Leistungsfähigkeit des Flugkörpers überzeugen. Dabei erzielte Spike SR im Infrarot-Modus Direkttreffer gegen vier verschiedene Zielszenarien in unterschiedlichen Entfernungen. 

      Spike NLOS: Direkttreffer auf 30 km

      Im Jahr 2013 haben Diehl Defence und Rafael eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit beim Lenkflugkörper Spike NLOS für den Einsatz bei Infanterie- und Artillerie unterzeichnet. SPIKE NLOS verfügt über eine Radio Frequency (RF)-Steuerung sowie über eine ausgeklügelte Sensorik und kann mit unterschiedlichen Gefechtsköpfen geliefert werden. Der Lenkflugkörper lässt sich sowohl von Landfahrzeugen als auch von Hubschraubern und Schiffen verschießen und kann stehende und sich bewegende Ziele in Entfernungen bis zu 30 km unter allen Wetterbedingungen punkgenau bekämpfen.

      Bei der Zielbekämpfung ohne Sichtlinienverbindung auf lange Reichweiten kann das von Rafael optional angebotene und einsatzerprobte Schützenassistenzsystem Matchpoint seine Vorteile ausspielen. Die Matchpoint-Software (auch im Spike LR und ER verwendbar) erlaubt mittels moderner Sensor-, Steuerungs-und Bildkorrelationstechnik höhere Präzision sowie schnellere Zielortung und -bekämpfung. Spike NLOS ist ein fertiges, qualifiziertes Produkt, das die Bundeswehr kostengünstig beschaffen könnte.

      Vielversprechende Ansätze von Flugkörper-Familienkonzepten

      Internationale Kooperationsprogramme und die Realisierung modularer Flugkörper-Familienkonzepte liefern vielversprechende Ansätze, um den Zielkonflikt zwischen begrenzten Beschaffungsbudgets mit geringen Stückzahlen und kostenträchtigen Produktentwicklungen durch hohe Leistungsanforderungen an militärische Ausrüstung abzumildern. Die querschnittlich nutzbare Spike-Flugkörper-Familie, die von zahlreichen Streitkräften beschafft worden ist, bietet sowohl dem Nutzer als auch dem Hersteller erhebliche Kostenvorteile bei Material-Einkauf und Fertigung, Ersatzteilversorgung, Wartung und Dokumentation, aber auch bei Training sowie bei aufwendigen Qualifizierungs- und Zulassungsverfahren.

      Diese Win-Win-Situation weist Lösungswege auf für die Zusammenarbeit zwischen Kunden und Hersteller, die auch für andere Vorhaben als nachahmenswertes Beispiel dienen könnte.

      Laser-Technologie: Präzision im Einsatz
      • Aktuelle Einsatzszenarien erfordern eine deutlich gesteigerte Präzision sowohl in der Wirkung als auch im Schutz. Die Lasertechnologie kann hierzu in verschiedenen Applikationen wertvolle Beiträge leisten:

        • Semi-Active Laser (SAL) Sensorik ermöglicht die präzise Einweisung von Lenkflugkörpern und Lenkmunition durch einen Laser-Zielbeleuchter.
        • Gerichtete Infrarot-Laser-Gegenmaßnahmen (Directed Infrared Countermeasure, DIRCM) tragen wirkungsvoll zum Schutz von Luftfahrzeugen vor Lenkflugkörpern mit IR-Zielsuchköpfen bei.
        • Laser-Waffensysteme (LWS) können in verschiedenen Szenarien eine abgestufte Wirkung insbesondere gegen taktische unbemannte Aufklärungssysteme (Unmanned Aerial Systems) und Sensoren entfalten.

        Semi-Active Laser (SAL)

        Die konzeptionelle Neuausrichtung der Bundeswehr beschreibt u.a. die Fähigkeiten der punktgenauen Bekämpfung kleiner, leicht gepanzerter Ziele aus der Luft sowie im indirekten Feuer vom Boden. Beim SAL-Sucher-Konzept wird das Ziel mit einem Laser-Designator markiert und der SAL-Sucher lenkt den Effektor selbstständig in das vom Laser beleuchtete Ziel.

        Laser-Guided Sidewinder (LaGS) Luft-Boden-Lenkflugkörper

        Einsätze aus der Luft gegen kleine, mobile Ziele erfordern eine neue, diesem speziellen Verwendungszweck angepasste Bewaffnung. Sie soll eine geringe Sprengkraft mit hoher Treffgenauigkeit (Punktziel-Bekämpfung) vereinen und Begleitschäden möglichst vermeiden. Für Missionen dieser Art stehen der Deutschen Luftwaffe bisher ausschließlich Kampfmittel zur Verfügung, die ursprünglich für die präzise Bekämpfung großer, gehärteter Ziele entwickelt und beschafft wurden. Auf diese neuen Aufgaben in modernen Einsatzszenarien ist das Programm Laser-Guided Sidewinder (LaGS) zur Umrüstung der weltweit bewährten Luft-Luft-Lenkflugkörper-Familie ausgerichtet. Bei der Umrüstung bleiben Abmessungen, Gewicht, Schwerpunkt und Trägheitsmomente des Lenkflugkörpers unverändert – ebenso wie die Schnittstelle zur Waffenstation und zum Luftfahrzeug einschließlich Software.

        Der Nutzen des Kunden besteht darin, dass vorhandene Flugkörper mit geringem Aufwand und kostengünstig für Luft-Boden-Missionen modifiziert werden können. Der Austausch des Sidewinder-Suchkopfs im Lenk- und Steuerteil durch einen Semi-Active Laser (SAL)-Suchkopf eröffnet die Möglichkeit, mit einem in einer Vielzahl von Kampfflugzeugen bereits integrierten Flugkörper neue Einsatzszenarien abzudecken, ohne diesen mit erheblichem Kostenaufwand im Luftfahrzeug neu integrieren zu müssen. Die neue Präzisionsbewaffnung erlaubt eine Ziel-Bekämpfung auf 1 Meter genau.

        Dem Nutzer eröffnen sich damit neue Möglichkeiten für eine kombinierte Bewaffnung mit schweren und leichten Kampfmitteln. LaGS kann aufgrund seiner modularen Bauweise künftig einen wichtigen Beitrag für Luft-Boden-Einsätze verschiedener Trägerplattformen leisten.

        Vulcano-Lenkmunition für Heer und Marine

        Gemeinsam mit dem italienischen Partner OTO Melara entwickelt Diehl Defence auf Basis einer bilateralen Regierungsvereinbarung die VULCANO-Lenkmunitions-Familie mit den Kalibern 155 mm für die Heeres-Artillerie und 127 mm für die Marine. Diese weltweit führende Munitions-Familie wird das indirekte Feuer der Artillerie und Marine revolutionieren. Die Munitionstypen haben in verschiedenen Tests ihre Fähigkeit nachgewiesen, auf eine Entfernung bis zu 100 km stehende und sich bewegende Boden- und Seeziele punktgenau zu bekämpfen. Die Waffenplattform für die gelenkte VULCANO 155 mm-Artilleriemunition bilden die Panzerhaubitze 2000 (PzH2000) sowie andere 155 mm-Waffenträger. Die VULCANO 127 mm-Munition lässt sich auf Überwasserschiffen im neuen OTO Melara Light Weight 127/64-Marinegeschütz sowie in anderen 127 mm-Bordgeschützen einsetzen.

        Wesentliche Treiber für die Einführung einer Lenkmunition hoher Reichweite sind Vermeidung von Begleitschäden, präzise und zeitnahe Wirkung und nicht zuletzt auch der Munitions-/ Kosteneinsparungseffekt. Langfristig werden alle Rohrwaffen des direkten und indirekten Feuers ohne abstandswirksame Lenkmunition für erweiterte Aufgabenstellungen nicht mehr auskommen können. 

        Im Hinblick auf die VULCANO-Lenkmunition für Heeresartillerie und Marine galt es, eine doppelte Herausforderung zu meistern: Zum einen wurde für den autonomen Endanflug auf Seeziele mit Infrarotspektrum eine bildgebende Sensorik mit ungekühltem Infrarot Detektor (FarIR-Sensorik) entwickelt.

        Zum anderen wurde eine Semi-Active Laser (SAL) Sensorik realisiert. Zielbeobachtung und Zielbeleuchtung erfolgen durch spezielle Unterstützungseinheiten (Joint Fire Support Team=JFST). Erstmalig erfüllte man damit Nutzerforderungen nach einer Missionsabbruchfähigkeit in Verbindung mit der Laserlenkung. Die Munition lässt sich dabei mit zwei Lasercodes programmieren, die entweder die präzise Zielbekämpfung oder den Missionsabbruch aufgrund geänderter operativer Rahmenbedingungen erlauben. 

        Beim Missionsabbruch wird der Gefechtskopf nicht scharf geschaltet‚ und das JFST kann die Munition in ein unkritisches Gebiet lenken. Die Option des Missionsabbruchs ist bislang bei Munition für die Rohrartillerie einzigartig und markiert damit einen bedeutenden Fortschritt bei der Reduzierung von Begleitschäden. Ein zusätzlicher Vorteil der Laserlenkung liegt in der Präzision. So wird die VULCANO-Lenkmunition mit Laser eine Genauigkeit von unter einem Meter um das Ziel erreichen. Aufgrund der Beleuchtung durch das Joint Fire Support Team ist sogar die wirksame Bekämpfung fahrender Ziele möglich. In beiden Fällen handelt es sich um Fähigkeiten, die außerhalb des Leistungsprofils einer rein GPS-gelenkten Munition liegen. Darüber hinaus erfolgt der Zielendanflug ohne GPS-Einbindung und ist somit robust gegen Störungen des GPS-Signals.

        DIRCM (Directed Infrared Countermeasure) - Gerichtete Infrarot-Laser-Gegenmaßnahmen zum Schutz von Luftfahrzeugen

        Schätzungen zufolge wurden bis heute weltweit mehr als eine Million schulterverschossener Flugabwehr-Lenkflugkörper (Man Portable Air Defense System, MANPADS) hergestellt. Zum Schutz von Luftfahrzeugen vor Lenkflugkörpern mit Infrarot-Zielsuchköpfen werden DIRCM-Systeme entwickelt die spezifisch auf den Infrarot-Zielsuchkopf wirken und diesen derart stören, dass der Flugkörper sein Ziel verfehlt. Hierdurch wird zum einen die Sicherheit der fliegenden Plattform mit ihrer Besatzung erhöht und zum anderen das Risiko von Begleitschäden durch Ausstoß sehr heißer Täuschkörper reduziert. 

        Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat Diehl Defence mit dem Aufbau eines Systems für gerichtete Infrarot-Laser-Gegenmaßnahmen zum Schutz von Luftfahrzeugen beauftragt. Die Risikominimierungs-Studie‚ “DIRCM (Directed Infrared Countermeasure) für A400M“ sieht in einer engen Kooperation mit dem Industriepartner Elbit vor, drei Systemeinheiten vom Typ J-MUSIC™ (Multi-Spectral Infrared Countermeasure) zu einem Gesamtsystem zu vernetzen, das einen kompletten 360°-Rundumschutz für die neuen deutschen Militärtransporter Airbus A400M gewährleistet.

        Die 15-monatige Studie sieht neben dem Aufbau eines Prototyps des neuen Schutzsystems auch ein umfangreiches Testprogramm auf dem Laser-Testgelände am Diehl-Defence-Standort Röthenbach a.d. Pegnitz vor.

        J-MUSIC™ gehört zu einer DIRCM-Familie, die von Elbit in den letzten zehn Jahren entwickelt worden ist. Für kommerzielle Flugzeuge ist gerade C-MUSIC™ in Israel qualifiziert worden. Ohne aufwendige Eingriffe in das Flugzeug werden in den kommenden Jahren alle Maschinen der israelischen Fluggesellschaften mit diesem Schutzsystem ausgerüstet.

        Parallel zur weiteren Ausrüstung von zwölf Flugzeugen wird das existierende J-MUSIC™ weiterentwickelt, um auch künftige Bedrohungen abwehren zu können. Hierbei kommt den Quanten-Kaskaden-Laser -Subsystemen eine besondere Bedeutung zu. 

        Quanten-Kaskaden-Laser (QCL) für den mittleren und langwelligen infraroten Spektralbereich

        Derzeit werden in DIRCM-Systemen aus diskreten Komponenten bestehende Lasersysteme mit externer Konversion der Laserwellenlänge in den infraroten Spektralbereich eingesetzt. Aufgrund der Komplexität des opto-mechanischen Aufbaus lässt sich eine weitere Reduktion des Bauvolumens mit dieser Technologiebasis kaum realisieren.

        In den vergangenen zehn Jahren sind halbleiter-basierte Lasertechnologien (wie beispielsweise Quantenkaskaden-Laser), die den elektrischen Strom direkt in einen Photonenstrom im Laserstrahl umsetzen, in internationalen Forschungslaboren entwickelt worden. Damit kann das von Verbrauchsgütern (wie Laserpointern oder DVD/CD-Spielern) bekannte Laserprinzip auf den infraroten Spektralbereich übertragen werden. Derzeit befindet sich diese Entwicklung in der Aufbruchsphase aus den Laboren in die Industrie.

        Diehl Defence hat den Technologietransfer rechtzeitig eingeleitet und entwickelt in Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft Quantenkaskaden-Laser-basierte Subsysteme für den Einsatz in Schutzsystemen. Zwei Anwendungen stehen im Fokus: Systeme für gerichtete Gegenmaßnahmen zum Schutz von Luftfahrzeugen (Directed Infrared Countermeasure, DIRCM) sowie Sensoren zur abstandsfähigen Detektion von Explosivstoffen und chemischen Kampfstoffen zum Schutz von Ein-satzkräften am Boden. 

        Bei der Entwicklung der QCL-Subsysteme wurde von Beginn an das Augenmerk auf einen hohen Grad an Modularität gelegt: Ein kompaktes Grundmodul erfüllt alle notwendigen opto-mechatronischen Funktionen und stellt die erforderlichen Schnittstellen zur Verfügung. Diese dienen entweder als Einzellaser oder als Teil einer dreidimensionalen Laserstruktur der Leistungsskalierung sowie der Ermittlung der spektralen Diversität. Der Aufbau des Grundmoduls gestaltet sich unabhängig von der Laserwellenlänge und lässt sich in dieser Form für unterschiedliche Systeme im infraroten Spektralbereich zum Stören und Blenden von Sensoren oder für die abstandsfähige Detektion von chemischen Stoffen verwenden.

        Laser-Waffensysteme

        Diehl beteiligt sich bereits seit 1985 an nationalen Laserwaffensystem-Programmen. Basierend auf diesen Erfahrungen führt Diehl Defence seit 2011 Technologiestudien zu Betriebssicherheit, Wirksamkeit und Systemintegration von Festkörperlaser-Waffensystemen durch.

        Die präzise, abgestufte Wirkung der Laser-Waffensysteme (LWS) bietet erweiterte Einsatzmöglichkeiten für Anwendungen zur Abwehr niedrig fliegender, langsamer und kleiner („Low, Slow and Small (LSS)“ Bedrohungen, wie z.B. Minidrohnen, sowie zur Bekämpfung optronischer Sensoriken.

        Im Gegensatz zu konventionellen Gefechtsköpfen wird bei Hochleistungs-Festkörperlaser-Waffensystemen die zur Wirkung benötigte Energie nicht in Sekundenbruchteilen, sondern über mehrere Sekunden freigesetzt. Neben einer der Aufgabenstellung angepassten Laserstrahlformung ist daher die präzise Zielverfolgung und Strahlnachführung von besonderer Bedeutung für die Minimierung der Bekämpfungsdauer. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern untersucht Diehl Defence die vollständige „Sensor to Shooter“-Kette sowohl in Simulations-Studien als auch in Versuchsreihen. Das Diehl-eigene Laser-Testgelände mit einer 400 m langen Freistrahlstrecke und diversen Laser-Laboren führt grundlegende Untersuchungen zur Fokussierbarkeit des Laserstrahls bei atmosphärischen Turbulenzen sowie zur Wirkung der Hochleistungs-Laserstrahlung auf verschiedene Materialien durch.  

        Die Möglichkeiten zum Einsatz von LWS in unterschiedlichen Klimazonen sowie die Lebenszykluskosten eines solchen Waffensystems bilden wesentliche Fragestellungen im Produkt-Entstehungsprozess. 

        Fazit

        Diehl Defence nutzt ein breites Spektrum der Laser-Technologie in einem großen Wellenlängenbereich vom Markieren über Stören bis Bekämpfen für alle Teilstreitkräfte. 

        Hierbei ergänzen sich Kompetenzen in den Bereichen Lasertechnologie, Sensorik, Signalverarbeitung, Systemtechnik und Logistik auf dem Weg von Forschungs- und Technologie-Studien zum einsatzoptimierten Produkt. 

        Einsatzreife Systeme wie beispielsweise DIRCM, Artilleriemunition oder Flugkörper werden durch die Nutzung moderner Laser-Technologie an die Anforderungen aktueller und zukünftiger Einsatzszenarien angepasst. Die Untersuchung neuer Technologien, wie Laserwaffensysteme, erfolgt hinsichtlich ihres operationellen Mehrwerts und ihrer Lebenszykluskosten. 

        Die breite Kompetenz von Diehl Defence in der Laser-Technologie liefert einen wichtigen Beitrag für die Bereitstellung einsatzoptimierter Ausrüstung mit kurzen Entwicklungszeiten und geringen Kosten.  

        Publikation mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik, Bonn

        Neue Munitionsfamilie verdoppelt Reichweite von 40mm Granatwaffen
        • Die in der Bundeswehr und verschiedenen NATO- und internationalen Streitkräften eingeführte Standard-Infanteriemunition LV 40mm x 46 (DM 101A2) von Diehl hat sich im Einsatz mit verschiedenen Waffen wie dem Sturmgewehr G36, der Granatpistole HK 69A1 oder dem US-Granatgewehr M16 über Jahrzehnte bewährt. Gleichwohl haben sich die Anforderungen an diese Munition infolge der Erfahrungen aus Einsätzen in internationalen Krisengebieten geändert. Dazu gehört beispielsweise eine deutliche Erhöhung der Reichweite bis hin zu einer Kampfentfernung von ca. 800m.

          Unter Berücksichtigung dieser Anforderungen des Nutzers entwickelte Diehl BGT Defence in den Jahren 2011 bis 2013 „die“ Nachfolgegeneration der Low Velocity-Munitionsfamilie, die „Low Velocity Munitionsfamilie Next Generation (LV-NG)“. Sie kann mit den bisher eingeführten Low-Velocity-Waffensystemen, eingesetzt werden.

          Ende 2013 konnte die Firmenqualifikation der neuen Diehl-High Explosive Dual Purpose Patrone LV -NG 40mm x 46 erfolgreich auf den Heckler & Koch-Waffen G36/AG36 abgeschlossen werden. Parallel wurde die Nutzung der neuen Munition für Waffen weiterer Hersteller wie Rippel (Südafrika), Colt (USA) und Steyr (Österreich) erprobt. Die Qualifikation der Munitionsvariante 40mm x 51 für die Rippel-XRGL-Waffe (5kg) ist einschließlich Waffenverträglichkeitsuntersuchung inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Als nächster Schritt ist die Erprobung/Qualifikation der Munition mit weiteren, am Markt verfügbaren „LV“-Waffenträgern vorgesehen.

          Die von Diehl entwickelte 40 mm LV-NG Munition erfüllt die Kriterien einer Insensitiven Munition nach STANAG und ist selbstverständlich REACh konform. Die Diehl-Patrone LV-NG HE-DP verfügt über ein so genanntes Dual-Purpose-Geschoss für Splitter- und Durchschlagwirkung gegen Panzerstahl, so dass auch leicht gepanzerte Fahrzeuge in einer Entfernung von bis zu 800m bekämpft werden können. Die neue Diehl-Patrone schließt damit eine Fähigkeitslücke des Infanteristen. Beim Zünder greift Diehl auf bewährte Produkte aus dem Hause Junghans Microtec zurück. In diesem Fall auf eine modifizierte Variante des Aufschlagzünders AZ-Z-DM451 wie er auch bei der Diehl-Patrone 40mm x 53 (DM42) bereits in zahlreichen Nato-Staaten seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt wird. Die eingebaute pyrotechnische Selbstzerlegungsfunktion stellt auch bei der neuen Munition sicher, dass nach Abschluss von Kampfhandlungen keine Gefahr von sogenannten Blindgängern besteht.

          Die neue Low Velocity Infranteriemunitions-Familie Next Generation (LV-NG) umfasst alle relevanten Munitionstypen wie: HE-DP, HE-PFF, Target Practice (TP) und Target Practice mit Marker.

          Diehl realisiert mit dieser neuen Infranteriemunitions-Familie einen Generationssprung in der Munitionstechnologie, der den Einsatzkräften einen erweiterten Schutz- und Wirkungsradius mit bereits heute mitgeführten Waffensystemen erlaubt.

          Präzisionsmunition für das Heer
          • Die Ergebnisse der Tests von zwei (konkurrierenden) gelenkten Artilleriegeschossen wurden während der Eurosatory verkündet: Die Excalibur fand erstmals mittels Laserlenkung ihr Ziel, und die Vulcano demonstrierte erstmals die Fähigkeit zum „Plug and Play“ verschiedener Sensoren für die Endphasenlenkung.

            Beide Geschosse sind im Rennen um die Präzisionsmunition für die Panzerhaubitze 2000 (PzH2000).

            Die Vulcano erzielte bei ihren Tests in der mit GPS- und Laser-gelenkten Version die von einer Punktzielmunition geforderte Präzision. Nach der kurzen Findungsphase fliegt die Vulcano lange Zeit ungesteuert. Mit dem Überschreiten des höchsten Punktes der zunächst noch ballistischen Flugbahn erfolgt dann die Gleitphase mit GPS-Lenkung. Der Lasersuchkopf startet schließlich die Zielfindungsphase mit anschließender Verfolgung und Zerstörung des markierten Punktes. Wann sich der Lasersuchkopf zuschaltet, ist frei wählbar und hängt von den örtlichen und taktischen bzw. operationellen Gegebenheiten ab.

            Die ersten Tests mit der GPS- und Laserlenkung fanden bereits im Frühjahr des letzten Jahres statt, und die Vulcano zeigte im Zuge der gesamten Erprobungskampagne bei unterschiedlichen Reichweiten ihre Leistungsfähigkeit.

            Plug and Play erfolgreich getestet

            Erstmals erfolgten bei der jüngsten Erprobung von einer PzH2000 aus auch Tests mit der Infrarotlenkung zur Demonstration der Zielerkennungs- und Zielverfolgungsfähigkeit. Die Infrarot-Endphasenlenkung soll jedoch nur in der 127-mm-Marineversion realisiert werden. Deutschland beschafft allerdings die ungelenkte Vulcanoversion für ihre Marine. Die gelenkte ist bei der Bundeswehr nur für die PzH2000 in der Auswahl. Die italienische Marine beschafft hingegen die gelenkte Vulcano für ihre Einheiten.

            Das „Plug and Play“ verschiedener Sensoren für die Endphasenlenkung wurde mit der IMU/GPS-Lenkung für die mittlere Flugphase demonstriert. Es handelt sich dabei um eine weitere Version, bei der das GPS die Lenkung übernimmt und eine inertiale Meßeinheit (IMU) – bestehend aus Kreiselachsen für die Rotationsmessung und Beschleunigungsmesserachsen für die Messung von Linearbeschleunigungen – die Endphase stabilisiert. Sie sind für die 155-mm- und 127-mm-Vulcano-Munitionsvarianten identisch.

            Das Vulcanoprogramm nähert sich somit seinem Abschluss und kann in naher Zukunft mit einer niedrigen Fertigungsrate anlaufen.

            Laser für den Missionsabbruch

            Etwas weiter am Anfang der Entwicklungsphase steht die Excalibur S mit der Laserlenkung. Die GPS-gelenkte Excalibur Ib – die Grundlage für die Excalibur S – ist bereits einsatzerfahren. Neu kommt nun die Laserlenkung zur weiteren Erhöhung der Präzision hinzu. Ebenso wie bei der Vulcano übernimmt zunächst das GPS die Steuerung des Geschosses und erst in der Endphase schaltet sich der Laser auf.

            Wie auf dem Foto zu sehen ist, konnte die Excalibur S dabei bereits beim ersten Schuss das anvisierte Fahrzeug, das allerdings stillstand, erfolgreich bekämpfen.

            Die Laserlenkung bietet mehrere Vorteile. So lässt sich die Forderung der Bundeswehr nach einer Missionsabbruchfähigkeit nur mit der Laserlenkung realisieren.

            Zudem bietet die Laserlenkung eine weitaus höhere Präzision. So erreicht die Vulcano mit Laser eine Genauigkeit von unter einem Meter um das Ziel. Dank der Beleuchtung durch das Joint Fire Support Team ist mit Laser-gelenkter Munition sogar die wirksame Bekämpfung von fahrenden Zielen möglich.

            Vor- und Nachteile mit der PzH2000

            Beide Geschosse – bei der Excalibur allerdings die rein GPS-gelenkte Ib und nicht die Laserguided S – sind bereits erfolgreich von einer deutschen PzH 2000 verschossen worden. Beide zeigten dabei Vor- und Nachteile. Die Vulcano besitzt eine höhere Reichweite und Präzision, benötigt aber als Unterkalibergeschoss wegen der abfallenden Treibspiegel einen Sicherheitsbereich von wenigen hundert Metern vor der PzH 2000. Die Excalibur braucht als Vollkalibergeschoss zwar keinen Sicherheitsbereich, hat dafür aber Probleme mit der automatischen Geschosszuführung.

            Beide Geschosse würden eine deutliche Steigerung der Fähigkeiten des Heeres bedeuten, da Präzisionsschläge und die Bekämpfung von Punktzielen nicht mehr allein der Luftwaffe überlassen blieben. Die PzH 2000 könnte mit dieser präzisionsgelenkten Munition zudem eine deutliche Erhöhung der Reichweite auf 80 km (Vulcano) bzw. 50 km (Excalibur) realisieren.

            Experten des Heeresamtes und des BAAINBw haben die Tests der Laser-GPS-gelenkten Vulcano und der GPS-gelenkten Excalibur als Beobachter begleitet und sind mit den Ergebnissen bisher sehr zufrieden. Da die Erprobung der Vulcano sich bereits dem Ende nähert, dürfte sich an dieser Zufriedenheit auch wenig ändern, während die Excalibur, zumindest in der lasergelenkten Version, ihre Fähigkeit noch in weiteren Tests unter Beweis stellen muss.

            Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Mittler & Report Verlags

            Luft-Boden-Präzisionsbewaffnung für den TIGER
            • Ungelenkte Raketen zur Luft-Boden-Bewaffnung von Hubschraubern sind aufgrund ihrer mangelnden Präzision in aktuellen Szenarien nur bedingt einsetzbar. Gerade in asymmetrischen Einsätzen, z.B. in urbaner Umgebung, sind Präzisions-Waffensysteme, auch gegen in Bewegung befindliche Einzelziele (u.a. leicht gepanzerte Fahrzeuge, Gebäude, Bunker oder kleine Seeziele) gefordert, die im Unterschied zu herkömmlichen Raketen noch im Flug einen Missionsabbruch ermöglichen.

              Diehl Defence bietet dem deutschen Kunden für den Unterstützungshubschrauber (UH) TIGER zur Schließung dieser Fähigkeitslücke die 70 mm GILA (Guided Intelligent Light Armament)-Lenkrakete an. GILA könnte in Deutschland produziert werden und basiert auf dem Produkt GATR (Guided Advanced Tactical Rocket) des israelischen Partners Elbit.

              Beim Bekämpfungsvorgang kommt die bewährte Technologie des semi-aktiven Laser (SAL)-Suchkopfs zum Einsatz, der die vom Ziel reflektierte Laserstrahlung erfasst. Das Ziel wird dafür mit einem Laser-Beleuchter markiert. Wenn der Hubschrauber selbst keinen Laser-Beleuchter an Bord hat, kann das entweder durch Bodentruppen, z.B. die „Joint Fire Support Teams“ (JFST) der Heeres-Aufklärungstruppe oder durch NATO-Luftfahrzeuge (z.B. Eurofighter oder unbemannte Flugsysteme) erfolgen.

              Sollte GILA beschafft werden, lägen umfangreiche Arbeitsanteile bei Diehl Defence, wie beispielsweise: Die Fertigung des Lenk- und Steuerteils, die Lenkraketen-Endmontage, die Simulations-Software, Hubschrauber-Integration und Logistik. GILA lässt sich ohne weitere Modifikation aus dem vorhandenen 70 mm-Werfer des UH TIGER verschießen. Es handelt sich bei der Lenkrakete um ein vollständig entwickeltes Produkt, dessen Qualifikation und Integration in den UH TIGER sofort beginnen könnte.

              Warum braucht Deutschland eine eigenständige Verteidigungsindustrie?

              Teaser Überschrift – Hafenfest in Kiel

              • Textüberschrift – Hafenfest in Kiel

                Europa profitiert von Frieden, Freiheit und Sicherheit als Basis für wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand. Dies gilt heute als selbstverständlich, ist es aber nicht. Es bedarf vielmehr des Willens und der Fähigkeit, für diese Grundwerte einzustehen.

                Derzeit sind Bundeswehrsoldaten an multi-nationalen Einsätzen beteiligt, um Konflikte zu verhüten, Krisen zu bewältigen und grenzüberschreitenden Terrorismus zu bekämpfen. Ohne moderne Ausrüstung lassen sich weder diese Aufgaben erfolgreich meistern noch eine funktionierende Kooperation mit Verbündeten aufrechterhalten.

                Die deutsche Verteidigungsindustrie verfügt über die Fähigkeit, Entwicklung, Fertigung, Beschaffung und Nutzungsbetreuung von Wehrmaterial langfristig zu begleiten und das dafür notwendige System-Know-how dauerhaft vorzuhalten. Ausrüstung für Streitkräfte kann entweder in Deutschland entwickelt oder muss im Ausland gekauft werden. Nur eine eigenständige Verteidigungswirtschaft kann die politisch als wichtig eingeschätzte Liefer- und Versorgungssicherheit der Bundeswehr gewährleisten.

                Rüstungsimporte ermöglichen auch in Verbindung mit einer Lizenzfertigung nicht den Erhalt oder Ausbau von Technologieführerschaft. Deutschlands Beteiligung bei der Lösung internationaler Konflikte kann entweder in der Bereitstellung von Soldaten oder in der Lieferung von Wehrmaterial zur Selbstertüchtigung internationaler Streitkräfte bestehen – aber nur, wenn wir moderne militärische Ausrüstung bieten, die am Weltmarkt gefragt ist.

                Der Erhalt einer eigenständigen Verteidigungsindustrie sollte auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers liegen, denn: Ein Großteil der Beschaffungskosten im wehrtechnischen Bereich fließt in Form von Steuern und Abgaben an den Bund zurück, wenn die Wertschöpfung im eigenen Land stattfindet. Die deutsche Verteidigungsindustrie ist heute ein anerkannter internationaler Kooperationspartner. Der Grad der Einflussnahme und Mitgestaltung bemisst sich – neben der Finanzkraft und dem politischen Willen – an der wehrtechnischen Kompetenz und Kapazität, die ein beteiligtes Land in ein internationales Rüstungsprogramm einbringen kann.

                Entwicklungs- und Hardware-Kompetenz für Lenkflugkörper
                • Die Montage von Infrarot-Zielsuchköpfen sowie kompletter Lenk- und Steuerteile stellt technisch eine besondere Herausforderung dar. Die hohe Empfindlichkeit optischer Elemente und die strengen Präzisionsanforderungen an die feinmechanischen Baugruppen erfordern konstante Umgebungsbedingungen, wie sie nur in Reinräumen mit Temperaturen zwischen 20 und 24 Grad und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 55 Prozent herrschen. 

                  Die Hardware-in-the-Loop (HIL)-Simulation dient der technischen und operationellen Ermittlung der Leistungsfähigkeit von Lenkflugkörpern. Aufgrund der extrem hohen Kosten für Trag- und Freiflugversuche hat sich der Einsatz der Software-Simulation bei der Auslegung und Bewertung von Lenkflugkörpern sowie deren Lenk- und Steuerteilen als äußerst effektive und kostensparende Lösung bewährt. 

                  Im HIL-Fünfachsen-Flugsimulator dienen die inneren drei Achsen der Drehbewegungs-Simulation des Flugkörpers und die beiden äußeren der des Zieles. Dem Suchkopf des Flugkörpers wird über die Zieldarstellung in Form eines Punkt- oder Matrix-Strahlers die Information übermittelt, die er auch bei einem echten Flug zu verarbeiten hat. Während die Sensoren des Suchkopfs sämtliche Drehbewegungen des Simulators entsprechend den Flugbewegungen von Flugkörper und Ziel in Echtzeit messen, werden die Längsbewegungen von Flugkörper und Ziel mit Hilfe der Software-Simulation in Echtzeit berechnet. 

                  Die Integration und Endprüfung von Flugkörper-Zielsuchköpfen sowie kompletter Lenk- und Steuerteile finden auf eigenentwickelten Prüfständen statt. Die Flugkörper Sidewinder, IRIS-T und RAM werden auf Endprüfständen in der Montagelinie während ca. einer Stunde auf alle wichtigen Funktionen geprüft. Die Lenk- und Steuerbaugruppen der Flugkörper werden unter realistischen Roll-, Dreh- und Vibrations-Bedingungen gegen simulierte Radar- und Infrarotziele getestet.

                  SIMONE: Lückenlose Überwachung und effektiver Schutz für Marinekräfte
                  • Mit der F125 läuft der deutschen Marine ein innovativer Fregattentyp zu, welcher in besonderem Maß für Konflikt- und Krisenbewältigung sowie für den Kampf gegen den internationalen Terrorismus gerüstet ist.

                    Die konzeptionellen Änderungen bei den neuen Fregatten machen sich insbesondere bei Einsatzdauer, Besatzungsstärke, Bewaffnung sowie Sensorik bemerkbar.

                    Für den Selbstschutz der Einheiten ist neben der Informationsüberlegenheit und der raschen, flexiblen Reaktionsmöglichkeiten an Bord die automatisierte Überwachung der Schiffsumgebung ein entscheidender Punkt. Diese Erfordernisse spiegeln sich insbesondere in der Sensorik wieder.

                    Um die Fähigkeitslücke der autonomen Nahbereichsüberwachung zu schließen und um den Schutz vor asymmetrischen Bedrohungen zu steigern, wurde Diehl BGT Defence mit der Entwicklung eines optischen Überwachungssystems beauftragt.

                    Das entwickelte SIMONE System (Ship Infrared Monitoring Observation and Navigation Equipment) ermöglicht der Besatzung, die Schiffsumgebung lückenlos und ununterbrochen bis knapp an die Bordwand zu überwachen. So können auch kleine Objekte frühzeitig und zuverlässig erkannt werden, um auf diese abgestuft und präzise reagieren zu können. Dem neuen Besatzungskonzept mit reduzierter Stärke trägt SIMONE in besonderer Weise Rechnung, da die Überwachung vollkommen autonom erfolgt, also kein weiteres Personal bindet. Im Fall einer erkannten Bedrohung erfolgt automatisch eine Alarmierung mit den wichtigen Bedrohungsdaten an das FüWES.

                    Zur Umsetzung der Forderung nach permanenter Einsatzfähigkeit werden ungekühlte Infrarot-Detektoren verwendet, die sich durch ihre hohe Lebensdauer und ihre hohe Bildqualität bei Tag und Nacht auszeichnen.

                    Das erste SIMONE System wird im Frühjahr 2013 von Diehl BGT Defence zur Integration in die Fregatte Baden-Württemberg ausgeliefert.

                    Ein leichter Mörser für die Armee im Einsatz
                    • Internationale Truppenkontingente operieren an globalen Krisen- und Konfliktherden. Die Soldaten müssen sich dabei in intensiven Konflikten behaupten können. Innovative Munitionstechnologien ermöglichen die abstandsfähige Bekämpfung von Einzelzielen bei weitgehender Vermeidung von Begleitschäden. Die Wirkung der Munition gegen Ziele in und hinter Deckung bietet Soldaten die nötige Durchsetzungsfähigkeit bei Angriffen aus dem Hinterhalt. 

                      Diesen Anforderungen entspricht der Leichte Mörser „LM60“, den Diehl BGT Defence gemeinsam mit dem österreichischen Unternehmen Hirtenberger Defence Systems den Streitkräften anbietet. Anfang 2012 wurde der „LM60“ einem Fachpublikum auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg im scharfen Schuss vorgestellt. 

                      Das System Leichter Mörser 60 mm besteht aus einer Waffe für zwei verschiedene Einsatzarten und einer angepassten Munitionsfamilie. Die Waffe ist für einen Reichweitenbereich der Infanterie von rund 100 m bis 4.000 m ausgelegt und ist in zwei Ausführungen mit 25 kg und als Kommandoversion („Rucksackmörser“) mit weniger als 6,5 kg verfügbar. Auf- und abgesessener Einsatz sind möglich; ebenso die Verwendung in urbanen Szenarien.  

                      Bei einer Schussfolge von bis zu 30 Granaten pro Minute kann der Leichte Mörser verschiedene Munitionsarten (im visuellen und IR-Bereich) einschließlich Nebelwirkmittel verschießen. 

                      Der 60 mm-Mörser ist geeignet, die Kampfkraft von Infanterieverbünden im Gefecht deutlich zu erhöhen.

                      Neue Großkaliber-Punktzielmunition für Heer und Marine
                      • Gelenkte Großkalibermunition bietet Heer und Marine ein weitreichendes, indirekt gerichtetes Wirkmittel zur Punktzielbekämpfung stationärer und beweglicher Einzelziele in der Tiefe des Raumes bei weitgehender Vermeidung von Begleitschäden.

                        Diehl Defence und das italienische Unternehmen OTO MELARA haben bereits vielfältige Erfahrungen in nationalen Programmen sammeln können – Deutschland mit der 120 mm Gelenkten Mörsermunition sowie mit der 155 mm Gelenkten Artilleriemunition und Italien mit den VULCANO-Munitionsvarianten 127 mm/155 mm Guided Long Range (GLR) und Ballistic Missile Range. 

                        Anlässlich der EUROSATORY in Paris im Juni 2012 haben Diehl Defence und OTO MELARA zur Festigung ihrer Munitions-Partnerschaft in einer Exklusiv-Kooperation eine Reihe gemeinsamer Projekte vereinbart. Dazu zählen:

                        • Die VULCANO 155 mm GPS/SAL (Semi Active Laser) gelenkte Präzisionsmunition großer Reichweite für die Panzerhaubitze PzH2000 (deutsche und italienische Ausführung) sowie für alle anderen eingeführten 155 mm-Artilleriesysteme;

                        • Die VULCANO 127 mm GPS/SAL für das Oto Melara 127/64 Leichte Marinegeschütz sowie für alle anderen eingeführten 127 mm-Marinegeschütze. 

                        Die neue VULCANO-Artilleriemunition bietet gegenüber dem amerikanischen Konkurrenzprodukt eindeutige Vorteile im Hinblick auf Präzision, Reichweite und Stückpreis. Während die US-Munition eine Zielabweichung von fünf bis zehn Metern aufweist, liegt die Zielgenauigkeit der VULCANO-Artilleriemunition in einem Bereich von höchstens einem Meter am Ziel – und das bereits beim ersten Schuss. 

                        VULCANO erreicht die höhere Präzision mit einer Laserzielerfassung. Hierfür markiert ein Joint Fire Support Team das stationäre oder bewegliche Ziel. Die Artilleriemunition trifft dann die Zielmarkierung mit höchstens einem Meter Abweichung. Der Vorteil der Laserzielerfassung besteht neben der großen Präzision in der Missionsabbruchfähigkeit. 

                        Ein weiteres Plus der VULCANO-Artilleriemunition ist die Reichweite. Diese liegt bei rund 80 Kilometern (Land) bzw. 100 Kilometern (See) und übertrifft damit die Leistungsdaten des US-Konkurrenzprodukts fast um das doppelte. Auch im Stückpreis liegt VULCANO vorne: In der Serienproduktion soll das Artilleriegeschoss nur rund die Hälfte des US-Wettbewerbers kosten. 

                        Bei Testschüssen auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen konnte die Kompatibilität der VULCANO-Munition mit der Panzerhaubitze 2000 ebenso nachgewiesen werden wie die GPS- und Laser-Navigation. Die Qualifikation der Munition läuft dieses Jahr an, so dass die Artilleriegeschosse der Truppe im Jahr 2014 zugeführt werden können.

                        Bodengestützte Luftverteidigung
                        • (von Ulrich Rapreger in der April-Ausgabe der "Europäischen Sicherheit & Technik" mit Genehmigung des Autors)

                          Gefahren aus der Luft gehen von Raketen, unbemannten Fluggeräten, Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Granaten aus. Sie bedrohen Bevölkerungszentren und kritische Infrastruktur, wie Talsperren und Kernkraftwerke, aber auch Einrichtungen und Objekte, wie z.B. Feldlager internationaler Truppenkontingente in den Kriegs- und Krisengebieten. Hier leisten Einheiten der bodengebundenen Luftverteidigung ihren Beitrag zur Sicherung des Luftraums, zum Schutz der Zivilbevölkerung sowie der Soldaten im Einsatz. 

                          Seit dem Jahr 2007 entwickelt Diehl Defence im Auftrag des deutschen Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) einen modernen Lenkflugkörper mit Startgerät für den bodengebundenen Luftverteidigungseinsatz. Der als IRIS-T SL (Surface Launched) bezeichnete Flugkörper deckt ein breites Zielspektrum ab, sowohl auf kürzeste Entfernungen als auch bis hin zu mittleren Reichweiten. Auf Basis dieses Flugkörpers und in Zusammenarbeit mit führenden Sensorherstellern bietet Diehl Defence ein komplettes, interoperables und anpassungsfähiges Luftverteidigungssystem mit einzigartigen Leistungsparametern. Insbesondere der umfangreiche Zielkatalog, die 360° Abdeckung von kürzesten bis zu mittleren Distanzen, die uneingeschränkte Mehrfachzielbekämpfungs- und Allwetterfähigkeit sowie der hohe Automatisierungsgrad setzen neue Standards in der zukünftigen bodengestützten Luftverteidigung. Das System wird im mobilen Einsatz, zum Schutz von Räumen oder Punktzielen und Missions bezogen eingesetzt. Hierbei kann es sich sowohl um den Schutz von kritischer Infrastruktur oder Veranstaltungen, als auch im die Landesverteidigung oder den Auslandseinsatz handeln.

                          Die Waffensystemkomponenten:

                          Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM (Surface Launched Medium Range) besteht im Wesentlichen aus den Komponenten Sensor, Effektor und Feuerleitsystem. Alle Komponenten sind autonom, vernetzt und lassen sich missionsbezogen kombinieren. Sie sind hochmobil und luftverlastbar in Flugzeugen der C-130 Klasse. Auf standardisierten 20-Fuß-ISO-Containerrahmen integriert und somit unabhängig vom Trägerfahrzeug sind alle Systemkomponenten auch stationär einsetzbar.

                          Der Sensor:

                          Das System IRIS-T SLM nutzt als Hauptsensor 3D Multifunktionsradare neuester Generation. Das Radar mit einer Abdeckung von 360° wird zur Luftraumüberwachung und Zieldatenbereitstellung genutzt. Dabei werden hohe Update-Raten und verschiedene Such- und Zielverfolgungsmodi in unterschiedlichen Bereichen realisiert. Das System kann mit elektro-optischen Sensoren ergänzt werden, um zum Beispiel in Operationen unterhalb der Kriegsschwelle optische Identifizierung von Zielen zu ermöglichen, oder aber bei entsprechenden Einsatzerfordernissen die Bekämpfung einzuleiten, ohne Radarstrahlung zu emittieren.

                          Der Effektor:

                          Der Boden-Luft-Flugkörper IRIS-T SL ist die Weiterentwicklung des in vielen europäischen Ländern und international als Standardbewaffnung moderner Kampfflugzeuge eingesetzten Flugkörpers IRIS-T. Diese umfasst u.a. die Leistungssteigerung des Raketenmotors sowie die Ausrüstung mit einem Datenlink und einer GPS-gestützten Navigation. Der Lenkflugkörper wird in einem leichtgewichtigen, glasfaserverstärkten Lager-, Transport- und Start-Behälter wartungsfrei an den Kunden ausgeliefert. Ein mit einem Anbaudrehkran ausgestattetes Beladefahrzeug ermöglicht das Nachladen der acht Flugkörper des Startgeräts im Einsatz innerhalb von zehn Minuten. Der vorfragmentierte Gefechtskopf sowie der Raketenmotor der IRIS-T SL sind insensitiv. Damit ist ein Zünden durch Brand, Blitzschlag, Beschuss oder unsachgemäße Handhabung (Sturz, Aufprall) ausgeschlossen und der Einsatz auch im urbanen Umfeld möglich. 

                          Der Flugkörper wird im Endanflug durch einen Infrarotsuchkopf hoher Präzision und herausragender Störresistenz gegen aktive und passive Gegenmaßnahmen ins Ziel gelenkt. Der hochauflösende, passive Infrarotsuchkopf ermöglicht in Verbindung mit modernster Bildverarbeitung eine genaue Analyse des Ziels mit hoher Bild-Updaterate und die Wahl des optimalen Wirkpunktes im Ziel. Der Suchkopf registriert nicht nur geringste Temperaturunterschiede, die aus aerodynamischer Reibung resultieren. IRIS-T SL erkennt die Kontur des Ziels und kann auch kleine Flugobjekte mit geringer Wärmeabstrahlung bekämpfen. 

                          Das Zielspektrum:

                          Das Waffensystem lässt sich gegen das gesamte Spektrum der Starr- und Drehflügler einsetzen. Weiterhin ist die Bekämpfung von Cruise Missiles, Drohnen, U(C)AV, Air-to-Surface-Missiles (ASM), Anti-Radar-Raketen (ARM), Seezielflugkörpern, Large Caliber-Rockets und Präzisionsbomben möglich.

                          Das Startgerät:

                          Acht Flugkörper werden auf einem fern bedienten und unbemannten Startgerät eingesetzt. Das Startgerät ist zehn Minuten nach Einfahrt in die Stellung vollautomatisch aufgebaut, ausnivelliert und feuerbereit. Alle acht Lenkflugkörper können in schneller Folge verschossen werden. Dabei lassen sich unterschiedliche Ziele in verschiedensten Richtungen in einer Entfernung von bis zu 40 Kilometern und Höhen bis 20 Kilometern bekämpfen. Die hohe Agilität des Flugkörpers wird durch minimale Reaktionszeiten und Laufzeiten des Gesamtsystems ergänzt. Daraus resultiert eine „innere Totzone“ von weniger als einem Kilometer.

                          Das Startgerät kann über Datenfunkanbindung bis zu 20 Kilometer vom Feuerleitsystem entfernt aufgestellt werden. Alle erforderlichen Komponenten wie zum Beispiel Generator, Waffenleitrechner, Antennen und Kommunikationsmittel sind auf dem Systemrahmen aufgebaut.

                          Das Feuerleitsystem:

                          Das Feuerleitsystem TOC (Tactical Operations Center) ist mit zwei Operateuren besetzt, die den taktischen Luftkampf führen. Es verfügt über moderne, ergonomisch optimierte Arbeitsplätze mit Doppelbildschirmen und ist ABC-geschützt. Von hier wird das gesamte Waffensystem kontrolliert und überwacht. Das TOC verfügt über die relevanten Datenschnittstellen (real-time und non-real-time) und Kommunikationsmittel zur Anbindung an übergeordnete Führungsstrukturen. Eine offene Systemarchitektur ermöglicht die flexible Integration in bestehende und künftige Luftverteidigungssysteme. Weiterhin wird eine Anpassung an Einsatzerfordernisse ermöglicht, da

                          beliebige Komponenten ergänzt oder entfernt werden können (plug&fight). Bereits ein Radar, ein TOC und ein Startgerät bieten einen Rundumschutz von 40 Kilometern Radius. Die Anbindung der Waffensystemkomponenten erfolgt über Funk oder Glasfaserdatenkabel. 

                          Fazit

                          Im Bereich „Bodengebundene Luftverteidigung“ beherrscht Diehl Defence die Auslegung flexibler und modularer Systemkonfigurationen. Offene und standardisierte Schnittstellen ermöglichen eine einfache Anbindung des Flugkörpersystems an bestehende und künftige Feuerleitkomponenten. Diehl Defence entwickelt das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM mit dem Ziel der Serienreife ab 2014.

                          Aktives Fahrzeugschutzsystem von Diehl demonstriert Überlegenheit in scharfem Schuss
                          • Der Beschuss militärischer Fahrzeuge durch Panzerabwehrhandwaffen (Rocket-Propelled Grenades – RPG, insbesondere RPG-7) führt in Afghanistan zu zahlreichen Verlusten. Panzerabwehrlenkwaffen (Anti-Tank Guided Missiles-ATGM) werden von den Taliban noch nicht eingesetzt, stellen aber aufgrund ihrer Verfügbarkeit eine Bedrohung dar.  

                            Erfolgreiche Tests mit Aktiven Fahrzeugschutzsystemen

                            Unter dem Namen AWiSS (Abstandswirksames Schutzsystem) hat sich Diehl Defence schon frühzeitig mit aktiven, fahrzeugbasierten Schutzsystemen gegen Panzerabwehrwaffen befasst. Im Jahr 2006 konnte der auf einem Kampfpanzer Leopard 2 integrierte AWiSS-Demonstrator im scharfen Schuss seine Leistungsfähigkeit gegen eine Panzerabwehrlenkwaffe des Typs MILAN 2 erfolgreich nachweisen. Der Effektor zerstörte die Lenkwaffe soweit, dass sowohl die verbleibenden Fragmente als auch der Hohlladungsstachel der MILAN 2 keine Gefahr mehr für den Kampfpanzer darstellten.

                            Nach dieser Erprobungskampagne wurde AWiSS aufgrund der Anforderungen des Bedarfsträgers zum Aktiven Fahrzeugschutzsystem AVePS (Active Vehicle Protection System) weiterentwickelt. Die Werfer und Effektoren wurden so ausgelegt, dass auch leichtere Einsatzfahrzeuge geschützt werden können. Darüber hinaus wurde das Wirkprinzip der Effektoren mit dem Ziel größtmöglicher Vermeidung von Kollateralschäden überarbeitet und ein splitterfreier Blast-Effektor entwickelt, der die anfliegenden Bedrohungen durch eine gerichtete Druckwelle zerstört.  

                            AVePS setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

                            • Radar- und Infrarot-Sensorik
                            • Vier-Rohr-Werfersystem
                            • Systemrechner
                            • Effektor-Kartusche mit Blast-Granate
                            • System-Sicherheitselektronik

                            In zwei Testkampagnen im Jahr 2011 konnte AVePS seine Funktions- und Leistungsfähigkeit im scharfen Schuss gegen verschiedene Arten panzerbrechender Waffen erfolgreich demonstrieren. 

                            Bei beiden Erprobungskampagnen kam ein AVePS-Demonstrator in Zusammenarbeit mit einem israelischen Unternehmen unter dem Projektnamen MAPS (Mutual Active Protection System) zum Einsatz. Dabei wurde das System bei der ersten Erprobungskampagne in einen M113-Transportpanzer integriert, um es gegen RPG-7 Panzerhandwaffen im scharfen Schuss zu testen. Das Aktive Fahrzeugschutzsystem konnte seine Wirksamkeit durch Abwehr der Bedrohung nachweisen. 

                            In der zweiten Testkampagne des MAPS-Programms wurde das System mit der AVePS-Werfer- und Effektor-Technologie in einen Transportpanzer FUCHS integriert. Bei dieser Demonstration konnten Panzerfaustgeschosse mit Tandemgefechtsköpfen modernster Bauart (Panzerfaust 3) vom System erfolgreich bekämpft werden. Das Konzept der Bekämpfung von Bedrohungen in ausreichendem Abstand (>zehn Meter) vom Fahrzeug bewährte sich abermals, da gerade bei Tandemgefechtsköpfen die Wahrscheinlichkeit einer Vorauslösung bei der Bekämpfung sehr hoch ist. Ist kein ausreichender Abstand zwischen Bekämpfungspunkt und Plattform vorhanden, könnte der Grundschutz des Fahrzeuges durchschlagen werden. Dies hätte schwerwiegende Folgen für Besatzung und Fahrzeug.

                            Bekämpfungsvorgang und Systemeigenschaften

                            Die Sensorik von AVePS ist in der Lage, in der Umgebung abgefeuerte Bedrohungen zu erkennen, zu klassifizieren sowie zu ermitteln, ob diese das Fahrzeug treffen würden. Ist dies der Fall, wird der Werfer auf den vom System ermittelten Abfangpunkt gerichtet und ein Effektor durch ein rückstoßfreies Antriebsprinzip in Sekundenbruchteilen zu diesem Punkt verbracht. Die Neutralisation der Bedrohung erfolgt über den splitterfreien Blast-Effektor durch eine Druckwelle. 

                            Neben dem eigentlichen Ziel, der Abwehr der Bedrohung, trägt das System entscheidend zur Verbesserung des Lagebildes bei. Die Sensorik von AVePS ermittelt aus der Flugbahn den Abschusspunkt der Waffe und ermöglicht so rasche und zielgerichtete Gegenmaßnahmen.

                            Der Werfer ist hinsichtlich seines Eigengewichts und seiner Trägheitsmomente optimiert und erlaubt höchste Richtgeschwindigkeiten, wodurch die Bekämpfung auch sehr nahe abgefeuerter Bedrohungen möglich wird. Damit erhöht sich nochmals der Gewichtsvorteil, den werferbasierte Schutzsysteme gegenüber Reaktivpanzerungen oder aktiven Schutzsystemen mit am Fahrzeug verteilten Komponenten aufweisen.

                            Modulare Konfiguration

                            Als modulares System lässt sich AVePS mit zwei Werfern (Systemgewicht < 500 kg)

                            sowohl auf schweren gepanzerten Fahrzeugen gegen RPG, ATGM und KE-Penetratoren als auch mit einem Werfer (Systemgewicht < 350 kg) auf leichten gepanzerten Fahrzeugen gegen ATGM und RPG-Bedrohungen einsetzen. 

                            Vorteile von AVePS gegenüber anderen Systemen  

                            Zusammenfassend weist AVePS gegenüber anderen aktiven Fahrzeugschutzsystemen folgende Vorteile auf:

                            Bekämpfung des gesamten Spektrums von Panzerabwehrhandwaffen wie RPG-7 mit Hohlladungsgefechtskopf oder Panzerfaust 3 mit Tandemgefechtskopf bis zu modernen Panzerabwehr-Flugkörpern (ATGMs) auch bei Top Attack. Ebenso werden KE-Penetratoren in ausreichendem Abstand vom Fahrzeug abgewehrt

                            360°-Rundumschutz aufgrund der Fähigkeit zur Bekämpfung mehrerer Ziele aus unterschiedlichen Richtungen innerhalb kürzester Zeit ohne nachladen zu müssen

                            Hohe Einsatztauglichkeit aufgrund der Möglichkeit zur schnellen, manuellen Nach- und Entladung der Blasteffektoren

                            Hohe Zuverlässigkeit und Schutz gegen Fehlauslösung durch einzigartiges Sicherheitskonzept

                            Auch bei mehrfachem Beschuss der gleichen Stellen am Fahrzeug treten keine Lücken im Schutz auf

                            Ausblick

                            Mit dem Projekt AVePS demonstrierte Diehl Defence die Möglichkeiten und Leistungspotenziale moderner, aktiver Fahrzeugschutzsysteme der Zukunft. Aufgrund der umfangreichen Vorarbeiten könnten die ersten serienmäßigen Prototypen nach einer zweijährigen Entwicklungsphase für die Erprobung im Einsatz bereit gestellt werden.

                            IRIS-T, der Kurzstreckenflugkörper neuester Generation

                            IRIS-T, die Abkürzung aus den Anfangsbuchstaben von Infra-Red Imaging System – Tail/Thrust Vector Controlled, ist die Bezeichnung für den Kurzstrecken-Luft-Luft-Flugkörper der neuesten Generation, der nach und nach die AIM-9L Sidewinder in der Bundesrepublik Deutschland und den weiteren fünf Konsortialnationen ersetzen wird.

                            Dass die Sidewinder-Nachfolger für Deutschland und zahlreiche andere europäische Nationen notwendig wurde, hat verschiedene Gründe und wurde Anfang der 90er Jahre offenkundig. Die deutsche Wiedervereinigung ermöglichte erstmals gesicherte Informationen über die Leistungsfähigkeit des russischen Kurzstreckenlenkflugkörpers AA-11 Archer zu erhalten. Detaillierte Analysen und die daraus resultierende Bewertung im Einsatz befindlicher Systeme wie der MIG-29, die mit dem russischen Lenkflugkörper AA-11 „Archer“ bewaffnet ist, hatten offengelegt, dass der vorhandene „Sidewinder“ – Lenkflugkörper in mehreren Aspekten nicht mehr bedrohungsgerecht war. Gleichzeitig war erkennbar, dass Luftkampf auf kurze Distanz auch und gerade bei zukünftigen Konfliktformen von hoher Bedeutung bleiben würde. So haben ausführliche Luftkampfsimulationen am bemannten Simulator zu dem Ergebnis geführt, dass bei künftigen Luftkämpfen weit mehr gegnerische Flugzeuge in den Nah- und Nächstkampfbereich von 500 bis 5000 Metern eindringen werden, als bis dato angenommen. 

                            Da auf dem Lenkflugkörpermarkt kein geeigneter Kandidat für diese herausfordernde Aufgabenstellung gefunden werden konnte, wurde die Konzeption für IRIS-T im Jahr 1995 präsentiert und ein Jahr später begann unter der Leitung Deutschlands die Lenkflugkörperentwicklung. Die Gesamtentwicklungskosten beliefen sich auf weniger als 300 Millionen Euro, wobei Deutschland den Löwenanteil von 45 % aufbrachte.

                            Als industrieller Hauptauftragnehmer wurde die Überlinger Firma Diehl BGT Defence GmbH & Co. KG (Vorläufer Bodenseewerk Gerätetechnik GmbH, BGT) ausgewählt.

                            Partnerfirmen aus den Konsortium-Nationen Deutschland, Griechenland, Italien. Kanada, Norwegen und Spanien haben IRIS-T unter der Gesamtverantwortung von Diehl BGT Defence entwickelt. Kanada hat aus politischen Gründen von einer Beschaffung des Lenkflugkörpers abgesehen und ist kurz vor Beendigung des Entwicklungsprogrammes aus dem Konsortium ausgeschieden. Seinen Platz nahm Ende 2002 Spanien mit dem Programmbeitritt ein. 

                            Während der Entwicklungsphase gab es mehrere mehrwöchigen Flugversuchskampagnen unter realistischen Einsatzbedingungen. Diese fanden fast ausschließlich im Schießgebiet vor Capo San Lorenzo auf der Ostseite Sardiniens statt. Als Ziel fungierte eine ferngesteuerte Mirach 100/5 Zieldarstellungsdrohne, die verbunden mit typischen Ausweichmanövern auch Infrarot-Täuschkörper einsetzte. Der erste mit Infrarot-Suckkopf verschossene Lenkflugkörper wurde am 14. März 2002 von einer F-4F der WTD 61 erfolgreich ins Ziel gebracht. Die IRIS-T Schüsse zeichneten sich sowohl in der Entwicklungsphase als auch in der sogenannten Validierungsphase (Leistungsnachweis) durchweg durch Direkttreffer auf der Zieldrohne aus.

                            Insgesamt beinhaltete die Entwicklung von IRIS-T 168 Flüge mit unterschiedlichen Trägerflugzeugen, vier Bodenstarts, elf Abgangsschießen sowie 16 scharfe Schüsse gegen Zieldrohnen.

                            Die Wehrtechnische Dienststelle für Luftfahrzeuge und Musterprüfwesen für Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTD 61) führte den größten Teil der Flugerprobung IRIS-T durch. Getestet wurde die Lenkwaffe mit zwei F-4F Phantom II in der Luftverteidigungs-Version. Die Flugzeuge wurden für diese Aufgabe mit spezieller Instrumentierung ausgestattet.

                            Im Februar 2005 lieferte die Firma Diehl BGT Defence das Pilotlos aus.

                            Der erste IRIS-T Lenkflugkörper der Serienfertigung wurde stellvertretend für alle sechs IRIS-T Partnernationen am 5. Dezember 2005 im Rahmen einer feierlichen Übergabe auf dem Fliegerhorst Laage – Heimat des Jagdgeschwaders 73 „Steinhoff“ an die Deutsche Luftwaffe ausgeliefert. Die Serienauslieferung für die Erstbeauftragung an das Konsortium wird Ende 2012 abgeschlossen sein.

                            Das Projekt wurde im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen zur Serienreife gebracht und hat sich zwischenzeitlich den Ruf erarbeitet, das herausragende Beispiel für europäische Rüstungszusammenarbeit zu sein. Ein selten verteiltes Lob kam vom Bundesrechnungshof. Er beurteilte die Entwicklung von IRIS-T positiv, weil die Kostenvorgaben strikt eingehalten wurden.

                            Die Flugkörperauslegung die u.a. einen großen Sprengkopf mit hoher Zielzerstörwahrscheinlichkeit beinhaltet, ermöglicht die erfolgreiche Bekämpfung eines breiten Zielspektrums einschließlich zukünftiger Bedrohungen aus der Luft. IRIS-T übertrifft die Leistungsdaten der zu ersetzenden AIM-9L Sidewinder in allen Bereichen um ein Vielfaches. IRIS-T ist mit dem Zulauf zu den Luftstreitkräften die Messlatte für gegenwärtige und zukünftige Kurzstrecken-Luft-Luft-Lenkflugkörper.

                            Extreme Wendigkeit und Agilität in allen Höhenbereichen aufgrund der Kombination von Schubvektor- und aerodynamischer Steuerung sowie der intelligente abbildende IR-Suchkopf sind seine Markenzeichen. Der neuartige Infrarot-Suchkopf erstellt Bilder wie eine Wärmebildkamera und kann Ziele von entsprechenden Täuschmaßnahmen des Gegners unterscheiden. Eine bis zu fünfmal höhere Auffassreichweite als bei vergleichbaren Flugkörpern und ein extrem großer Schielwinkel zeichnen IRIS-T aus. 

                            Eine hohe Zielerfassungs- und Zielverfolgungsleistung auch vor schwierigem Hintergrund

                            ermöglicht dem Piloten die Zieleinweismöglichkeit auch unter Verwendung eines Helmvisiers. In Verbindung mit der„fire & forget“-Fähigkeit und nicht zuletzt die Möglichkeit der Aufschaltung des Suchkopfes auf das Ziel auch nach dem Verschuss (Lock-on-after-launch) ergeben in Verbindung mit einer intelligenten Bildverarbeitung optimale Bedingungen für den Luftnahkampf. Aufgrund der Befähigung von IRIS-T auch anfliegende Boden-Luft und Luft-Luft Lenkflugkörper zu bekämpfen, wird die Überlebensfähigkeit des eigenen Waffensystems nachhaltig verbessern.

                            Dank dieser Besonderheiten kann der Pilot sogar den IRIS-T Lenkflugkörper auch dann abfeuern, wenn er nach hinten schauend seinen Gegner über die Schulter anvisiert. Damit bietet IRIS-T der fliegenden Besatzung eine 360 Grad Rundumverteidigungsfähigkeit.

                            IRIS-T kommt an den Kampfflugzeugen der Konsortialnationen, Eurofighter (Deutschland, Italien, Spanien), Gripen (Schweden) , F-16 (Griechenland, Norwegen), EF-18 (Spanien) und Tornado (Deutschland) zum Einsatz. Insgesamt sind für das Konsortium – einschließlich Trainingsflugkörper – ca. 4.000 Stück beauftragt.

                            Ende 2005 haben sich Österreich (Eurofighter), 2008 Südafrika (Gripen), 2009 Saudi-Arabien (Eurofighter) und 2010 Thailand (Gripen) als Exportkunden die herausragenden operationellen Fähigkeiten von IRIS-T gesichert.

                            IRIS-T kann Flugziele bis zu einer Reichweite von 25 Kilometern erfolgreich bekämpfen. Der Flugkörper erreicht dabei eine Geschwindigkeit von deutlich mehr als 3 Mach, wiegt bei einer Länge von 2,94 Metern und einem Rumpfdurchmesser von 12,7 Zentimetern knapp 90 Kilogramm. Der Flugkörper verfügt über eine volle Kompatibilität mit bestehenden Sidewinder-Schnittstellen und garantiert eine hohe Rückweisungsrate gegen Infrarot- und Lasergegenmaßnahmen.

                            Politik & Sicherheit (September 2010) - Schutz durch Wirkung

                            Die bisherige Diskussion über Schutz bezog sich zumeist auf den unmittelbaren Schutz der Soldaten und den Eigenschutz der Einsatzfahrzeuge. Angesichts heutiger Einsatzszenarien und Bedrohungslagen gewinnen abstands-, präzisions- und durchsetzungsfähige Systeme zunehmende Bedeutung für einen umfassenden Schutz von Streitkräften. Dabei stehen die Fähigkeitskategorien Schutz und Wirksamkeit im Einsatz in einem engen Zusammenhang. 

                            Auch für die Bundeswehr hat der Schutz von Soldaten bei heutigen Einsätzen höchste Priorität. Der beste Schutz ist häufig die geeignete Wirkung zum richtigen Zeitpunkt. Folgende ausgewählte Beispiele illustrieren die enge Verknüpfung von Schutz und Wirksamkeit im Einsatz:

                            Der Beschuss von Fahrzeugen durch Rocket Propelled Grenades (RPGs) – Mörsergranaten, Panzerfaust, Raketen – führt zu zahlreichen Toten und Verletzten. Unter dem Namen AWiSS (Abstandswirksames Schutzsystem) hat sich das Unternehmen Diehl schon frühzeitig mit der Entwicklung aktiver Schutzsysteme befasst. Der Demonstrator des heutigen Aktiven Fahrzeug-Schutzsystems MAPS (Mutual Active Protection System) hat in Erprobungskampagnen vor internationalem Publikum im April und September dieses Jahres seine Wirksamkeit erfolgreich nachgewiesen. 

                            Zum effektiven Feldlager- und Objektschutz gegen Luftbedrohungen, wie z.B. Raketen, Drohnen, Hubschrauber und Flugzeuge, sowie zur Schließung der vorhandenen Fähigkeitslücke in der Flugabwehr des Heeres könnte künftig der Lenkflugkörper Neue Generation (LFK NG) beitragen. Diehl Defence und MBDA/LFK arbeiten gemeinsam an der Entwicklung des LFK NG. Die künftige Finanzierung des Programms ist aber derzeit ungewiss.  

                            Schutz durch indirektes Feuer lässt sich anhand täglicher Einsatzerfahrungen belegen: Deutsche Soldaten geraten immer wieder in Nahkampfsituationen, deren Häufigkeit sich durch geeignete Aufklärungsmittel und abstandsfähige, präzise Waffenwirkung verringern ließe.

                            Ein Aufklärungs – Wirkungsverbund erlaubt abgestuftes Vorgehen, also Wirkung durch abstandsfähige Bekämpfung von Einzel- und Punktzielen mit der Option des Missionsabbruchs. Innovative Munitionslösungen eröffnen Handlungsspielräume und schützen damit die eigene Truppe sowie die Zivilbevölkerung.

                            Diehl hat die Entwicklung des abstands- und präzisionsfähigen Artillerie-Raketensystems GMLRS/SMArt 155 erfolgreich abgeschlossen. Das System bietet eine optimale Kombination von Schutz und Wirkung. Die Zukunft des Programms ist aber ungewiss, weil eine Beschaffung im Haushaltsplan 2011 der Bundeswehr nicht vorgesehen ist.

                            Ein weiteres hochpräzises System zur Wirkung im Einsatz ist der mehrrollenfähige, leichte Lenkflugkörper SPIKE-LR für gepanzerte Fahrzeuge sowie für Infanterie und Spezialkräfte. Er wird in Kooperation mit Rheinmetall und Rafael hergestellt. SPIKE-LR ist als Bewaffnung für den neuen Schützenpanzer PUMA der Bundeswehr ausgewählt worden. Der Lenkflugkörper erlaubt die präzise Bekämpfung gepanzerter und ungepanzerter Fahrzeuge, aber auch von Hubschraubern, Bunker-, Mörser- und Artilleriestellungen. Infanteriesoldaten und Spezialkräfte können SPIKE LR aus verdeckten Stellungen und geschlossenen Räumen verschießen, so dass der Schütze in und hinter Deckung bleiben kann. Im September 2010 wurden die ersten 40 SPIKE-Flugkörper planmäßig und mit dem geforderten Leistungsprofil an das Heer ausgeliefert.

                            Mit der Munitionsfamilie 40mm bietet Diehl eine insensitive Munition mit Selbstzerlegungsfunktion zur Bekämpfung infanteristischer Ziele an. Die gemeinsam mit der Firma Nammo entwickelte Airburst RF-Patrone erlaubt zukünftig auch die Bekämpfung von Zielen hinter Deckung.

                            Die skizzierten Beispiele zeigen deutlich: Die Wirkung abstandsfähiger und präziser Munition erhöht den Schutz für Einsatzkräfte und ermöglicht der Truppe optimalen Bewegungsspielraum. Der Schutz der Soldaten wird gewährleistet durch die Verknüpfung von Aufklärung im Einsatzgebiet und präziser Wirkmittel hoher Reichweite.

                            Diehl Stiftung & Co. KG © 2018